Die Tradition des Freischlagens

Die Tradition des „Freischlagens“ ist ein altes Ritual im Steinmetz*innen Handwerk, bei dem Junggesell*innen mit einem Schlag auf das Gesäß durch einen Meister symbolisch in den Gesell*innenstand erhoben werden. Dieses Ritual wird in NRW und anderen Teilen Deutschlands nach wie vor, bzw. wieder, als offizieller Bestandteil der Freisprechungsfeier praktiziert. Öffentlich, auf einer Bühne.

Einige grundlegende Problematiken, die wir den Verantwortlichen kommunizierten:

➡️ Demütigung: Ein Initiationsritual darf nicht beschämen. Für viele wirkt das Freischlagen nicht wie eine Ehrung, sondern wie eine öffentliche Zurechtweisung.

➡️ Sexualisierung & Machtsymbolik: Der Schlag auf das Gesäß, ein intimer Körperbereich, ist in keinem Kontext angemessen, schon gar nicht in einem öffentlichen, institutionellen Rahmen!

➡️ Trigger-Gefahr: Die Kombination aus Bühne, Publikum und körperlicher Handlung kann ein reales Risiko für Gewaltbetroffene darstellen, auch im Publikum.

➡️ Verharmlosung von Gewalt: Selbst wenn das Ritual „mit Augenzwinkern“ ausgeführt wird, bleibt es eine körperliche Machtdemonstration, die nicht in eine moderne Berufsausbildung gehört.

➡️ Intransparenz: Auszubildende berichten, dass sie teils durch Berufsschulen gar nicht oder nur unzureichend über das Ritual aufgeklärt werden.


Als Reaktion auf unsere Kritik wiesen die Verantwortlichen auf die lange Tradition, die symbolische Bedeutung des Rituals hin und auf die Möglichkeit einzelne Personen mit Handschlag freizusprechen. Insgesamt jedoch wurden unsere Bedenken relativiert, als unbegründet zurückgewiesen oder unbeantwortet gelassen.

Wir fordern:

➡️ Die vollständige Abschaffung des Freischlagens bei Lossprechungsfeiern in NRW, ohne symbolische Restformen.

➡️ Die Entwicklung eines neuen, gewaltfreien, würdevollen Rituals, das echte Anerkennung ausdrückt und für alle zugänglich ist. Als konstruktive Anregung wurden u. a. das traditionsreiche Symbolritual der „drei Hiebe auf einen Stein“ vorgeschlagen – keine modernen Erfindung, sondern gelebte Alternative.

➡️ Transparente und verpflichtende Kommunikation gegenüber allen Auszubildenden über den Ablauf und Inhalt – rechtzeitig und eindeutig.

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